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Die Jahresfeste

 

Die Feiern zu den Jahresfesten im Kindergarten sind die Pfeiler des Jahreskreises und ein wichtiger Bestandteil der Waldorfpädagogik.

Sie geben den Kindern Orientierung uns Sicherheit und verbinden sie mit dem kulturellen und religiösen Hintergrund der Region und ihres Volkes. Dies gibt dem Kind, genau wie Märchen und Geschichten, seelisch-geistige Nahrung. Die Jahresfeste sind eng mit der Natur und ihren entsprechenden Vorgängen verbunden. Die menschliche Seele vollzieht diese Prozesse mit und der Mensch orientiert sich.

Wie gerne erinnern wir uns an unsere Kindheit: Wie war es bei un zu Weihnachten, Ostern usw.?

Es sind die intensiven Sinneswahrnehmungen, die man als Kind mit einem Fest verbindet. Oft wissen wir nicht, wie die Bräuche entstanden sind - und doch leben wir sie und übernehmen sie bei unserer Festgestaltung, weil wir spüren, dass tiefere Schichten der Seele angesprochen werden. Es sind Bilder und Gefühle, die uns nachhaltig prägen. Kinder leben wesensgemäß in intensiver Weise mit Bildern. Die Bilder eines Geschehens, die wir als Kinder aufnehmen konnten, tragen wir bis hinüber ins Erwachsenenalter, d.h. sie bleiben uns das ganze Leben erhalten.

Jedes Fest hat innerhalb des Jahreskreislaufs seinen angestammten Platz. Auffallend ist, dass sich die vier großen Feste Michaeli/ Weihnachten/ Ostern/ Johanni - so hineinfügen, das sie ihren Zeitpunkt jeweils wenige Tage nach den Naturhöhepunkten haben. Früher haben die Menschen mit der Natur, den Jahreszeiten und Wandlungen gelebt und geglaubt. Sie haben ihr Leben mit ihrem ganzen Menschsein erlebt und gefühlt. In der heutigen Zeit sind wir wieder aufgerufen, uns die Zusammenhängevon Jahreskreislauf und Festzeiten wieder bewusst zu machen und uns auf die geistigen Hintergründe der Feste zu besinnen.

Im HERBST nimmt das Sonnenlicht immer mehr ab, das Wachstum der Natur stirbt ab, in der Erde fängt das Leben an, die Vorbereitung auf den nächsten Frühling! Wir Menschen suchen die Wärme unseres Zuhauses. Wenn es draußen ungemütlich wird, müssen wir unser inneres Licht entzünden, um nicht dem Sterbeprozess der Natur zu folgen und in Depression zu verfallen.

Wenn wir mit den Kindern das ERNTDANKFEST feiern, danken wir der Erde für die nährenden Gaben, mit denen sie uns das Jahr über versorgt hat, für das Leben, das durch sie erst möglich ist.

In diese Zeit fällt auch das MICHAELIFEST. Der 23.09 ist Tag- und Nachtgleiche. An Michaeli können wir uns mit der Kraft und Stärke, der Klarheit und dem Mut von Erzengel Michael verbinden, der uns unterstützen kann, durch Zeiten seelischer Dunkelheit zu gehen. Der Drache, mit dem St. Michael Kämpft, symbolisiert die dunklen Anteile im Menschen, die wir alle in uns tragen und die dazu da sind, mit Bewusstsein in lichtvolle Anteile verwandelt zu werden.

St. Michael, St. Martin und der Hl. Nikolaus können geistige Wegbereiter für die Geburt Christi an Weihnachten sein, wenn sich der Mensch mit den Qualitäten dieser drei Feste verbindet.

In der Zeit nach Michaeli bereiten wir uns auf das LATERNENFEST vor, an dem jeder sein individuelles Licht, geschützt vor den Naturgewalten, in die Dunkelheit trägt. Das Bild der Laterne ist ein Symbol für die Verbindung der inneren mit den äußeren Vorgängen: dem inneren, gescützten Geisteslicht in jedem Menschen, das er umbeschadet durch die eigene seelische Dunkelheit tragen kann.

Zu Anfang des Advents beginnt mit dem ADVENTSGÄRTLEIN mit seiner Lichterspirale der Advent. Jedes einzelne Kind läuft in eine Spirale aus Tannenzweigen, um sein eigenes Licht an der großen Kerze in der Mitte zu entzünden. Die Spirale bildet dabei den menschlichen Lebensweg ab und steht in dieser Zeit für den Weg des Menschen nach innen.

Der ADVENTSKRANZ, auch ein Symbol für die Einheit  und Ganzheit (die Zahl 4 un der Kreis) führt uns langsam auf die Lichterfülle an Weihnachten zu. Die Qualität des Wartens und des Staunens können wir nun mit den Kindern leben und üben. Alles ist in Erwartung auf die Geburt des Kindes und auf das wiederkehrende Licht der Sonne, denn am 21. Dezember werden die Tage wieder länger. So wie in der Natur das Licht wiederkehrt, so kommt in diesen Tagen das Christuskind zu den Menschen. Denn gerade da, wo die Nacht am dunkelsten ist, scheint das Christuslicht am hellsten.

Das Austreiben des Winters an FASCHING trägt auch den inneren Aspekt der Reinigung der Seele von ihren Schattenanteilen in sich. Diese Reinigungsphase beginnt am Aschermittwoch und endet in der Karwoche.

Das OSTERFEST, um die Zeit des ersten Frühlingsvollmondes, ist ein Fest der Fülle und der Freude. Es symbolisiert die Neugeburt des Lichtes, die Auferstehung Christi und die Überwindung der Todeskräfte. Wir erleben die Tag- und Nachtgleiche. Die Natur erwacht nun gänzlich und die menschliche Seele ist wieder bereit, sich mit der äußeren Natur zu verbinden. Wir haben wieder Freude an der Bewegung in der Natur, am Draußensein. Die Erde beschenkt uns mit all ihrer Wachsende Fülle, die Sonne mit ihrem wachsenden Licht.

An PFINGSTEN wird die Erde gesgnet. Der Bauer beschreitet die Felder, schaut nach der Saat und segnet sie so mit seiner Aufmerksamkeit und seinem guten Geist. Das Licht wird für die Menschen, die sich in seinem Namen versammeln, zur Frucht im eigenen Handeln.

An JOHANNI ist der Wachstumsprozess der Natur und der Sonne erreicht (Sommer- Sonnenwende am 21. Juni). Dies wird von uns mit einem Feuer gefeiert, über das wir springen, um so im Licht, im Feuere erneuert zu werden: "Ich spring über's Feuer und werde ein Neuer".

Die Tage werden nun wieder kürzer, die Reife in der Pflanzenwelt beginnt und beschenckt uns mit all ihren guten Gaben.

So rundet sich das Jahr in der Natur. Wir erkennen, wie die Jahresfeste das Jahr rhytmisch gliedern. Ein ständiges Ein- und Ausatmen findet statt, die Genussphase folgt der Läuterung und Reinigung. Die Seele macht diesen Prozess imnmer mit. Ein Erfassen uns Loslassen, ein Sterben und Werden. Je bewusster der Mensch diesen Prozess annimmt, umso gesünder kann er sich mit der ihm umgebenden Welt verbinden und sich gleichzeitig an eine höhere Kraft anbinden.

Im Kindergarten möchten wir menschliche Qualitäten und Werte anlegen, wie das Warten-Können, die Dankbarkeit und die Hinwendung zu einer Sache oder einem Menschen oder einem Tier in Liebe und Treue, Verbindlichkeit, Beständigkeit, Vertrauen und die Verehrung Gottes bzw. einer höheren Kraft.

Diese Menschlichen Qualitäten wollen wir den Kindern durch das Mitschwingen mit dem Jahreslauf und seinen Festen erlebbar machen.